Werkstattgespräch – Notfallmanagement und Krisenschutz im Museum I

18. Juni: Werkstattgespräch | Notfallmanagement und Krisenschutz im Museum I – Grundlagen für den Umgang im Katastrophenfall im Zeughaus Innsbruck
keine Teilnehmer:innen-Beschränkung

Das Werkstattgespräch (Teil I/IV) richtet sich an Museumskolleg:innen, die sich mit Fragen des Notfallmanagements und des Schutzes von Kulturgut in Krisensituationen auseinandersetzen möchten. Naturkatastrophen, Brände oder Extremwetterereignisse stellen zunehmende Risiken für Museen und Kulturerbeinstitutionen dar. Gleichzeitig wächst die Bedeutung vorausschauender Planung, um Sammlungen, Gebäude sowie Besucher:innen und Mitarbeiter:innen im Ernstfall bestmöglich schützen zu können.

Im Zentrum der Veranstaltung steht die 2026 erschienene Publikation „Notfallmanagement in Museen und Kulturerbeinstitutionen“, herausgegeben von ICOM Österreich. Die Publikation bietet praktische Empfehlungen zur Risikoanalyse, zur Erstellung eines Notfallplans sowie zum Umgang mit Krisensituationen in Museen und vergleichbaren Kulturerbeinstitutionen. Ziel ist es, Einrichtungen dabei zu unterstützen, potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen und organisatorische sowie technische Maßnahmen zu entwickeln, um Schäden möglichst zu verhindern oder deren Auswirkungen zu minimieren.

Den Ausgangspunkt des Werkstattgesprächs bildet ein Blick in die Geschichte des Veranstaltungsortes: Claudia Sporer-Heis (Leiterin des Zeughauses Innsbruck, Tiroler Landesmuseen) berichtet über ein Hochwasserereignis am 6. August 1985, das das Museum vor große Herausforderungen stellte. Anhand dieses historischen Beispiels wird deutlich, wie schnell unerwartete Ereignisse zu einer Bedrohung für Sammlungen und Gebäude werden können und welche organisatorischen und praktischen Maßnahmen im Ernstfall erforderlich sind. Ein kurzer Rundgang durch das Zeughaus führt anschließend zum Ausstellungsbereich, in dem dieses Ereignis dokumentiert wird und der als Ausgangspunkt für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema dient.

Nach einer Mittagspause (12.30-13.30 Uhr) stellt Elke Kellner (Geschäftsführerin von
ICOM Österreich und Herausgeberin der Publikation) zentrale Inhalte des Leitfadens vor und erläutert die Bedeutung eines institutionellen Notfallplans. Ein solcher Plan legt fest, welche Verantwortlichkeiten im Ernstfall greifen, welche Maßnahmen in unterschiedlichen Szenarien zu setzen sind und wie die Kommunikation innerhalb der Institution sowie mit externen Einsatzkräften organisiert wird. Dabei wird auch auf internationale Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen eingegangen, die den Schutz von Kulturgut zunehmend beeinflussen – etwa durch Extremwetterereignisse, technische Risiken oder andere Krisensituationen. Anhand von Beispielen wird aufgezeigt, welche Maßnahmen zur Vorbereitung sinnvoll sind – etwa die Erstellung von Evakuierungsplänen, die Kennzeichnung prioritärer Objekte, die Zusammenstellung von Notfallmaterialien oder die regelmäßige Durchführung gemeinsamer Übungen.

Ab 14.30 Uhr erweitert Oberstleutnant Johannes Lindig, Kulturgüterschutzoffizier Tirol, die Perspektive auf das Thema um einen Impulsvortrag zum „Militärischen Kulturgüterschutz einst bis jetzt“. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung des militärischen Kulturgüterschutzes von der Zeit Kaiserin Maria Theresias bis hin zu aktuellen Entscheidungen des Bundesministeriums für Landesverteidigung. Als Milizoffizier mit langjähriger militärischer Erfahrung – unter anderem im Pionierwesen, als Kraftfahroffizier sowie im Bereich S2 – ist Oberstleutnant Lindig seit 2015 als militärischer Kulturgüterschutzoffizier tätig und gibt Einblicke in Aufgaben, Strukturen und Entwicklungen dieses Bereichs.

Um 15.00 Uhr folgt ein praxisorientierter Beitrag zum Notfallmanagement für Museen, Bibliotheken, Archive und Sammlungen. Judith Emprechtinger gibt praktische Einblicke in die Vorbereitung auf Notfälle und zeigt anhand konkreter Beispiele, welche präventiven Maßnahmen auch in regionalen Museen und vergleichbaren Kulturerbeinstitutionen umgesetzt werden können. Im Zentrum dieses Veranstaltungsteils steht eine Table Top Exercise: Anhand eines realitätsnahen Szenarios wird ein mögliches Schadensereignis gemeinsam durchgespielt. Die Teilnehmenden reflektieren dabei aktiv Abläufe in ihren eigenen Einrichtungen, hinterfragen Entscheidungswege und prüfen bestehende Notfallstrukturen kritisch. Die Übung soll konkrete Impulse für die Erstellung und Weiterentwicklung individueller Notfallkonzepte liefern.

Abschließend wird das Konzept der geplanten Folgemodule vorgestellt. Zudem wird über aktuelle Initiativen zur Stärkung des Kulturgüterschutzes in Tirol berichtet und aufgezeigt, wie Tiroler Kulturbetriebe, Restaurator:innen und Einsatzorganisationen künftig stärker vernetzt zusammenarbeiten können.

Ende der Veranstaltung: 16.30 Uhr

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Das Werkstattgespräch im Zeughaus bildet den Auftakt für eine Reihe weiterer Module zum Thema Notfallmanagement und Krisenschutz im Museum. Da Fragen des Notfall-managements und die Entwicklung eines institutionellen Notfallplans nicht in einem einzelnen Termin umfassend behandelt werden können, soll das Thema über einen län-geren Zeitraum hinweg gemeinsam weiterbearbeitet werden.

Das nächste Modul ist folgendes:
Notfallmanagement und Krisenschutz im Museum II
Als erster Folgetermin findet am Mittwoch, den 12. August 2026 – im Rahmen des digitalen Museumsstammtisches „KulturKontakt“ ab 15 Uhr – ein Reflexi-onsgespräch mit Judith Emprechtinger statt. In diesem Rahmen können Erfah-rungen mit den im Werkstattgespräch vermittelten Inhalten ausgetauscht, erste Schritte in den eigenen Häusern reflektiert sowie offene Fragen gemeinsam be-sprochen werden.

Weiter Module werden noch bekanntgegeben.
–    Notfallmanagement und Krisenschutz im Museum III – Ende Oktober 2026
–    Notfallmanagement und Krisenschutz im Museum IV – Mai 2027

Das Angebot richtet sich insbesondere an kleine und mittelgroße Einrichtungen und arbeitet mit praxisnahen Lösungen, die auch mit begrenzten personellen und finanziel-len Ressourcen umsetzbar sind. Ziel ist es, Museumsmitarbeiter:innen Schritt für Schritt bei der Entwicklung oder Weiterentwicklung eigener Notfallpläne zu unterstüt-zen – von ersten Überlegungen zur Risikoanalyse bis hin zu konkreten Maßnahmen für den Ernstfall.
Die Module verbinden theoretische Inhalte mit direktem Praxisbezug sowie praktischen Übungseinheiten. Zur besseren Erreichbarkeit werden einzelne theoretische Teile hybrid angeboten, um eine möglichst unkomplizierte Teilnahme zu ermöglichen. Die abschlie-ßenden Module setzen stärker auf praktische Übungen und finden daher in Präsenz statt.

Die Veranstaltungsreihe stärkt das Bewusstsein für die Bedeutung von Notfallmanage-ment im Museumsbereich und bietet zugleich eine Plattform für Austausch und Vernet-zung zwischen Kultureinrichtungen, Restaurator:innen, Dienstleister:innen und Einsatz-organisationen. Auf diese Weise sollen Synergien im Kulturgüterschutz sichtbar ge-macht und langfristige Formen der Zusammenarbeit angeregt werden.

Darüber hinaus steht Judith Emprechtinger für Rückfragen sowie für Beratungen direkt in den Museen zur Verfügung. Auf Wunsch begleitet sie auch die Entwicklung eines indi-viduellen Notfallplans für einzelne Häuser auf Selbstkostenbasis.

Ort: Zeughaus Innsbruck / online
Datum: Donnerstag, 18. Juni 2026
Zeit: ab 11:00 Uhr

Anmeldung zum Werkstattgespräch:


Foto: TLM/Pizzinini, TLM/Manuela Fritz